127 HOHE – "Neue Juwelen" Vom Abfall zur Ressource

 

In der Kölner Hohestraße haben wir den Begriff der Wertschöpfung beim Wort genommen. Inmitten von Leerstand und den Vorboten eines konventionellen Rückbaus haben wir zwei Gebäude nicht als Abbruchobjekte, sondern als wertvolle Materiallager begriffen. Das Ziel der Winter School war es, Werte nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern physisch zu bergen und deren Weg zurück in den Kreislauf operativ zu ebnen.

Statt die üblichen Entsorgungslogiken walten zu lassen, sind wir tief in die Schichten des Bestands eingedrungen. Gemeinsam mit Studierenden der TH Köln haben wir Innenausbauten, hochwertige Bodenbeläge und Wandverkleidungen auf ihre reale Rückbaubarkeit und Wiedereinsetzbarkeit geprüft. In diesem Reallabor wurde unmittelbar deutlich, was in der Praxis funktioniert und was scheitert. Wir haben untersucht, welche Verbindungen sich tatsächlich zerstörungsfrei lösen lassen und an welchen Stellen die handwerkliche Bergung an ihre Grenzen stößt. Dabei stand die Analyse im Vordergrund, welche Materialien nach dem Ausbau ihre technische Integrität behalten und wie die logistischen Prozesse gestaltet sein müssen, um diese Ressourcen effizient zu sichern. Die systematische Inventarisierung diente dabei als Grundlage, um die stoffliche Realität hinter der vermeintlichen Abfallvermeidung greifbar zu machen.

Ein zentraler Bestandteil des Projekts war die dreitägige Wiedereröffnung des ehemaligen Juweliers. In dieser Zeit fungierte der Ladenraum als Schnittstelle zur Stadtgesellschaft und als Ort der direkten Materialvermittlung. Während draußen der gewohnte Konsum auf einer der meistbesuchten Einkaufsstraßen Deutschlands weiterlief, wurden die Passant*innen im Inneren mit den geborgenen Ressourcen konfrontiert. Die Inszenierung der Bauteile als „neue Juwelen“ diente der radikalen Sensibilisierung. Wer die Straße zum Konsumieren nutzt, begegnete hier dem Wert des bereits Vorhandenen und wurde unmittelbar mit der Notwendigkeit eines ressourcenschonenden Umgangs mit Material konfrontiert. So wurde der Rückbau zur performativen Intervention, die den Blick für das Potenzial grauer Energie mitten in der Fußgängerzone schärfte und aufzeigte, wie eine neue Wertschätzung für verbaute Arbeit entstehen kann.

Format
Workshop, Prozessanalyse, kuratorische Intervention

Status
Abgeschlossen

Ort
Köln

Jahr
2026

Unterstützung
Leon Bischoff, Lisa Blessing, Marie Brethous, Simon Fischer, Luka Hauschild, Oli Hofer, Max Schaucher, Lisa Schrick, Moritz Tanner 
Ciya Aydin Bakir, Alexander Schilling, Eva-Lucia Kleesiek, Jan Palm, Kai Göbel, Kevser Guendogdu, Sika Azamati, Till Sammetinger

Zusammenarbeit
Baukultur NRW
HSD PBSA
TH Köln
AuRepair!
Strizzi Studio
initiative.umbau

Förderung
ehret+klein
Baukultur NRW
Köln Business

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